#btw09 | Und was lernt uns das?
Der Souverän hat entschieden, die Bundestagswahl 2009 ist vorbei. Das Ergebnis kam für mich persönlich unüberraschend überraschend, denn bis zum Schluss konnte ich keine Anhaltspunkte ausmachen, die auch nur einen zaghaften Blick in die Glaskugel gerechtfertigt hätten. Daher möchte ich nun wenigstens im Nachhinein versuchen, meine Gedanken - vielleicht sogar Erkenntnise - zu diesem Spektakel zu fassen zu kriegen.
Im Anfang war der Wahlkampf. Und Volk sah, dass es eigentlich ziemlich wenig sah. Jedenfalls an frischen Impulsen auf den klassischen Wahlkampffeldern: Plakate waren zwar da, aber außer der bündnis-grünen Giftmülltonne ist mir eigentlich nur aufgefallen, dass die Motive und Slogans irgendwie merkwürdig vertraut wirkten. An Ständen, Veranstaltungen und Reden mangelte es auch nicht, aber da ich schon von "Anne Will" Augen- und Ohrenbluten kriege, war das keine Option.1
Spannend hingegen war die Beobachtung des Engagements der Parteien im Internet, insbesondere die ersten Gehversuche im social web. Zwei Punkte scheinen mir hier besonders wichtig zu sein:
- Erfolgreich ist nicht derjenige, der einfach etwas anstößt oder kopiert, da es beispielsweise "beim Obama" so erfolgreich war. Vielmehr kommt es auf eine runde Strategie an, die von engagierten Menschen mit der entsprechenden Medienkompetenz im Zusammenspiel mit dem Wähler transparent umgesetzt wird.
- Die deutsche Blogosphäre kämpft nach wie vor mit der Selbstwahrnehmung und Einschätzung der eigenen Bedeutung im politischen Prozess. Anders kann ich mir die Vielzahl der motzigen Tweets und Postings - leider Vielfach von Anhängern der Piraten - nicht erklären. Aber auch Gerhard Schröder stolperte ja schon über das eigene Ego.
Zusammenfassend stellte sich dieser Wahlkampf also gewissermaßen gespalten dar: Uninspiriert auf der Straße, im Netz dafür teilweise spannend, teilweise unterhaltsam, teilweise zum Kopfschütteln animierend.
Und was fangen wir jetzt mit dem Ergebnis an? Erstmal: Damit leben, denn hier hat uns keine imperialkaptialfaschistische Weltverschwörung zu Schwarz-Gelb verdonnert, sondern wir - die Wähler - uns selbst. Immerhin in dem Punkt funktioniert unsere Demokratie nämlich ausgesprochen gut. Auch oder gerade weil ein starkes Verfassungsgericht seine wachsamen Augen auf den Fingern von Legislative und Exekutive hält.
Weiterhin stimme ich Robin Meyer-Lucht zu, der auf CARTA festhält: "Nicht Schwarz-Gelb hat gewonnen, sondern die SPD verloren." Die Sozialdemokraten müssen sich nun Gedanken über ihre zukünftige Marschrichtung machen und vor allem ein und für alle mal eine Regelung für den Umgang mit der PDSED-LINKEN finden. Glücklicherweise geht dies von der Oppositionsbank bedeutend einfacher als in der Regierungsverantwortung. Diese Chance sollte die SPD nicht verpassen.
Alles Weitere werden die nächsten Tage und Wochen bringen. Bis der neue Bundestag seine Arbeit aufnimmt, dauert es ja noch ein bisschen. Der Weltuntergang steht uns aber sicher nicht bevor. Und vielleicht wird mir Schwiegerpapa in spe irgendwann meine Wahlentscheidung vergeben.
- Informierte Kreise bestätigten später, dass es auch kein Verlust war. [↩]

