#socialweb | Die Crux mit dem Crosspost
Einer bestimmten "Strategie", Inhalte ins social web zu transportieren, begegne ich genervterweise immer wieder. Insbesondere Unternehmen, die gerade frisch in die wundersame Web2.0-Welt eingetaucht sind und nun nach der "Learning by doing"-Methode die ersten Schritte wagen, neigen zu diesem zwar nicht verwerflichen, aber doch unschönen Anfängerfehler: Das unreflektierte, oftmals automatisierte Crossposten desselben Contents auf verschiedenen Plattformen.
Nehmen wir folgende Beispielsituation: Unternehmen SoYeah ist total am Puls der Zeit und betreibt neben einem Corporate Blog eine Fanpage auf Facebook und gönnt sich den obligatorischen Twitter-Account. Und weil man weiß, was gut für einen ist, werden diese ganzen Aktivitäten schön säuberlich bei FriendFeed gebündelt. Die ordentliche Pflege dieser Accounts und die Beschäftigung mit den dahinter stehenden Communities ist nun schon so zeitaufwendig, dass wenigstens das Veröffentlichen eigener Artikel und News so bequem und effektiv wie möglich geschehen soll.
Daher verknüpft man nun kurzentschlossen das Blog mit Facebook, Facebook mit Twitter, den Blogfeed mit Twitter, Twitter mit identi.ca (wo kommt der Account auf einmal her?), registriert im self-networking-Wahn noch ein Konto bei Ping.fm oder einem anderen Multiposting-Service, stellt sicher, dass alles auch bei FriendFeed landet, schreibt flink einen "Guckt mal, wie toll!"-Blogartikel, klickt "veröffentlichen" -- und alle so: "Yeah, Artikel-Ping-Pong!"
Denn jetzt schieben sich die einzelnen Dienste denselben Quark endlos und immer wieder neu unter. Da man irgendwo auch noch ein prominentes Hashtag untergebracht hat, bekommt jeder dieser Posts beispielsweise auf Twitter noch einen automatisierten ReTweet von irgendeinem Bot verpasst. Willkommen im Spammerland! Ihre Online-Reputation wird beim Verlassen des Geländes automatisch entwertet.
Zugegeben, dieses Beispiel ist etwas überzeichnet. Allerdings ist mir Ähnliches in abgeschwächter Form schon selbst passiert, was dann sehr peinlich war. Die wichtigste Lektion aus so einer Geschichte ist: Erst denken, dann posten. So möchte ich allem und jedem davon abraten, die eigenen Tweets automatisch auch auf Facebook zu veröffentlichen. Auch, wenn es sich in beiden Fällen um social networks handelt, haben sie unterschiedliche Stoßrichtungen, Funktionen und erfordern daher individuelle Aufmerksamkeit. So sind meine heißgeliebten Hashtags auf Twitter zwar Gang und Gäbe, nicht jedoch auf Facebook. Dort irritieren sie viele Nutzer. Und im xxxVZ kennt man anscheinend weder Twitter noch Facebook noch Hashtags, weshalb viele Menschen es vorzogen, mich dort doch lieber stumm zu schalten.
Mittlerweile handhabe ich es so, dass ich mehr oder minder alles, was ich online so von mir gebe, in FriendFeed zusammenlaufe lasse, das eine Auswahl an Services (z. B. Google Reader, StumbleUpon, Facebook) automatisch an Twitter weiterleitet. Dieses Setup muss ich allerdings auch im Hinterkopf behalten, bzw. mir muss klar sein, dass meine Postings auf Facebook mittels FriendFeed auch bei Twitter landen. Dadurch überlege ich mir zwangsläufig aber auch, ob ein bestimmter Content überhaupt auf eine bestimmte Seite passt, was nie verkehrt ist. Außerdem bin ich kein Unternehmen und kann hier tun und lassen, was ich will.
Aber merke: Tumber Massenpost(aus)wurf geht im social web immer nach hinten los.
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